Örtliche Besonderheiten

„Exkurs: Schulzeit und Jugend in Horst

Die kleine Anneliese wurde 1932 eingeschult. War es für sie ein denkwürdiger Tag? Gab es eine Schultüte oder wurde das Ereignis im Kreise der Verwandten an der Kaffeetafel gebührend begangen? Das war damals wohl im Dorf Horst nicht üblich. Sie erhielt eine Schiefertafel nebst Griffel und wurde von dem  älteren der beiden Brüder in die Schule gebracht.
In der einklassigen Volksschule mit etwa 17 Schülern wurden die Kleinen oft von den Größeren „unterrichtet“; neben den Kernfächern wie Lesen, Schreiben, Rechnen gab es Natur – und Heimat /Erdkunde, Religion, Nadelarbeit u.a.m.  Annelieses Zeugnisse konnten sich sehen lassen, nur das Turnen lag ihr wohl nicht so…Glücklicherweise kam 1936 der junge Lehrer Scharff angesichts der Eider als Erster auf die Idee, den Kindern das Schwimmen beizubringen. Da durch die Abdämmung bei der Schleuse Nordfeld die Eider keine Strömung mehr – sprich Ebbe und Flut – hatte, konnte man es wagen. Mit Hilfe des Fischers Schaawe und seinem Boot erlernten die Kinder das Schwimmen gleich im Tiefen, mit einem Schwimmgürtel an der Angel hängend. Einige  Begleitboote überwachten sicherheitshalber das Geschehen. - Anneliese und die anderen Kinder konnten sich fortan in der Eider vergnügen, besonders nachdem später vom Ufer aus ein Steg ins Wasser mit einem Sprungbrett errichtet wurde. Anneliese hatte viel Spaß am Schwimmen im Fluss, allerdings machte ihr der Sitz ihres Badeanzuges zu schaffen, da er aus Baumwolle gestrickt war und sich voll Wasser sog . . .
Weitere Höhepunkte im Laufe eines Sommers waren z.B. das „Kindervergnügen“, das meist als Topfschlagen für die Mädchen und Vogelschießen für die Jungen auf dem Hof von H. Hennings stattfand und mit einem Umzug durchs Dorf gekrönt wurde. Am nächsten Tag  ging es dann mit den Eltern nach Hennstedt in Heß` (später Kaisersaal / Gosau) und Tetens Gasthof zum Tanz. Ein besonderes Ereignis stellte am 21. 03. 33 das Flaggenhissen dar: eine Fahne schwarz – weiß – rot, eine Hakenkreuzfahne und eine Preußenfahne wurden aufgezogen,  und dann „durften“ die Schüler im Radio der Reichstagseröffnung lauschen!
Wenn im Winter die Eider zugefroren war - und das war damals häufiger als heute der Fall – hatte man mit Lehrer Scharff beim Schlittschuhlaufen oder Eissegeln viel Spaß, so auch 39/40.
Am Schluss des Schuljahres wurde Anneliese vom neuen Lehrer namens Horst  aus der „einklassigen Volksschule zu Horst“ entlassen. Das Abschlusszeugnis ist lobenswert!

 

Anneliese Friedrichs mit ihren Brüdern

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Lehrer Kindermann mit Frau

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Entlassungszeugnis nach 8-jähriger Volksschulzeit in der einklassigen Schule in Horst 1940

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