Soziale Einrichtungen:

Apotheken

Am 27. September 1864 stellte die Gemeinde Hennstedt unter der Federführung von Pastor Nissen den Antrag auf die Einrichtung einer Apotheke für Hennstedt. In Kiel behandelte man den Antrag routinemäßig, d.h. man hielt Rückfrage bei den zuständigen örtlichen Behörden (Amt und Kreis). Vom Kreis erging eine Rundfrage an die dem Orte Hennstedt nächstgelegene Apotheken, „Alte Apotheke und Neue Apotheke in Heide, Privil. Apotheke Lunden, Apotheken in Friedrichstadt Tellingstedt und Süderstapel, das damals noch durch eine Eiderfähre über Horst mit Hennstedt verbunden war. Das Ergebnis ergab, dass die Versorgung des Raumes Hennstedt mit Arzneimitteln gewährleistet sei. Der Antrag wurde mit dem Bescheid vom 15. Juli 1865 abgelehnt. Doch Hennstedt ließ nicht locker und stellte erneut einen Antrag in dringlicher Form am 26.September 1865.
Inzwischen hatten sich die politischen Verhältnisse erheblich verändert. Nach dem Sieg über Dänemark 1864 durch Preußen und Österreich standen sich die beiden Staaten im Wettbewerb um die Führerschaft in dem aus 39 Einzelstaaten bestehenden „Deutschen Bund“ feindlich gegenüber. Bismarck strebte die Einverleibung der beiden Herzogtümer durch Preußen an, Österreich unterstützte die Ansprüche des Prinzen von Augustenburg auf die Herzogswürde von Schleswig-Holstein. Preußen übernahm nun die Verwaltung von Schleswig und Österreich die von Holstein. Statthalter in Kiel wurde der Kommandeur der österreichischen Eingreiftruppen, der General von Gablenz. Dieser war bestrebt, die Holsteiner für Österreich einzunehmen und befasste sich daher höchstpersönlich und eingehend mit allen Wünschen und Anliegen der Bevölkerung. Er prüfte den Antrag aus Hennstedt und verfügte am 26.Februar 1866, in Hennstedt eine Filialapotheke einzurichten. Die Begründung war, dass ein 5 Stunden Hin- und Rückweg, ungeachtet der Zeit für die Anfertigung der Arznei, seien zu viel. Als persönliche Bemerkung soll er hinzugefügt haben, er selbst habe 2 Kinder durch Krankheit verloren, weil nicht rechtzeitig genug ärztliche Hilfe und wirksame Medizin zu beschaffen gewesen sei. Am 17. April 1866 kam die schriftliche Genehmigung zur Einrichtung einer Filialapotheke, die Peter August Sönnichsen, der Inhaber der Alten Apotheke in Heide übernahm und die Filiale am 2.Oktober 1866 eröffnete. Er ließ die Apotheke durch Provisoren verwalten. Johann Kapopus war der erste Verwalter von dem wir nur den Namen kennen.
Der nächste Provisor war Wilhelm Grünwald, der die Apotheke im Sept 1874 kaufte. Er bekam als Apotheker die Konzession für eine Vollapotheke. Die Gemeinde gewährte ihm einen Kredit von insgesamt 4.000 Mark.  Gottlieb Hartmann wurde 1884 der nächste Besitzer. Hermann Meyer aus Stettin erwarb 1895 den Besitz.
1897 wurden Rudolf Voß aus Köln und 1900 H. Fr. Sibbern-Sibbers aus Neumünster die neuen Eigentümer. Er war verheiratet mit der Tochter des ortsansässigen Dr.med. Klünder. Da, mit Dr.med. Carl F. Wrede im Jahre 1897 ein zweiter Humanmedizinersich in Hennstedt niedergelassen hatte, schien eine gewisse Stetigkeit in den Besitzverhältnissen gesichert zu sein. Aber Sibbern-Sibbers verkaufte 1903 bereits die Apotheke an den Apotheker Georg Grundmann aus Bremen, der 1919 seinen Besitz an Paul Gramatzki weitergab, der aus Danzig kam. Bevor Kurt Wodtke 1931 neuer Besitzer wurde, hatte der Kollege Weidlich die Apotheke 2 Jahre verwaltet. Kurt Wodtke, aus Bromberg gebürtig, bekam die Genehmigung zur Firmenbezeichnung „Eider-Apotheke“. 
1955 übernahm der Apotheker Jürgen Jesse die Apotheke und kaufte auch das Gebäude der frühere „Schreiberei, baute es um und verlegte dann die Apotheke von der früheren Alten-Post-Straße 87 (inzwischen in Mittelstraße umbenannt) in die Mühlenstraße 2 und damit ins Ortszentrum. Am 1. Februar 1960 wurde sie an die Apothekerin Hildegard Feige verpachtet und am 1.Februar 1965 jedoch von Herrn Jesse wieder übernommen. Hans Uwe Hass pachtete die Apotheke vom 1.Januar 1988 bis 2008 und wurde dann Besitzer. Er verlegte nun seine Apotheke, wie auch die Gemeinschaftspraxis Dr. Wrede, Dr. Gottkehaskamp und Dr. Sieboldt, in das neu erbaute Gebäude in der Tellingstedter Straße 3A.
 

Alte Eiderapotheke in der Mittelstraße

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