Transportwege

Zwischenfälle

Dass es auch zu verschiedenen Zwischen- und Unfällen gekommen ist, kann man dem Hennstedter Landboten entnehmen.
Einige seien hier wie folgt herausgegriffen: 
23. Mai 1905
Auf dem hiesigen Bahnhof ereignete sich …ein Unglücksfall, bei welchem dem Schlachtergesellen Rudolf B. von hierselbst von einer Weiche ein Bein abgeschlagen wurde…. 
12. Juni 1905
Der Zug – von Heide kommend, musste gestern abends mehrere Male auf der Strecke Linden – Hennstedt halten, weil sich Vieh auf dem Bahnkörper zur Ruhe begeben hatte. 
10. November 1905
Bei Apeldör wurde von der Kleinbahn ein Ochse überfahren. 
21. November 1905
In Hollingstedt entgleiste heute morgen ein Güterwagen. 
8. Februar 1906
Gestern Morgen blieb der Zug infolge Mangels an der Maschine auf hiesiger Station liegen und musste durch eine Maschine aus Heide von hier abgeholt werden. 
18. September 1906
Einen merkwürdigen Unfall erlitt am gestrigen Tage der Dienstknecht Hinrich B. …auf dem hiesigen Bahnhofe. Derselbe war mit dem Ausladen von Kunstdünger beschäftigt. Wie nun ein Wagen heranfuhr, stieß die Deichsel gegen die Wagentür, so dass dieselbe zurollte und den Bedauernswerten am Kopf stark verletzte, welchen er zwischen Tür und Wagen hatte. 
Februar 1910
Der Kleinbahnzug blieb am Freitagnachmittag auf der Strecke Aukrug – Süderheistedt stecken. Die Passagiere mussten sich durch den tiefen Schnee bis Süderheistedt durcharbeiten, wo sie übernachteten. 

Augenzeugen berichten von einem größeren Unfall im Winterhalbjahr 1924/25. In der Hennstedter Fortbildungsschule an der Horster Straße (das Gebäude wird derzeit von der Kita und für 
Sozialwohnungen genutzt) – fand gerade der Abend-Unterricht statt, als ein lautes Krachen, Knirschen, Kreischen und Poltern die Stille zerriss. Was war geschehen? An ein Fortführen des Unterrichts war bei den aufgeregten Schülern nicht mehr zu denken. Alle rannten zum Bahnhof, wo Polizei und Feuerwehr schon dabei waren, das Bahnhofsgelände abzusperren. 
Nach und nach erfuhren die Schüler, was passiert war. Der Abendzug um 21.51 Uhr näherte sich langsam dem Hennstedter Bahnhof, als kurz davor im Nebel auf der Brücke über dem Töschen ein Ochse auftauchte. Kein Pfeifen konnte ihn vertreiben, und ein rechtzeitiges Bremsen war nicht mehr möglich. Der Ochse wurde von der Lok erfasst, die durch den Aufprall aus dem Gleis geworfen und über die Böschung in den Töschen gerutscht war. Lokführer und Heizer konnten vorher noch rechtzeitig abspringen. Aus dem umgekippten Packwagen waren Gepäckstücke, Postsendungen und sonstige Frachtstücke herausgeschleudert worden und lagen weit über der ganzen Unfallstelle verstreut. 
Glücklicherweise waren die Personenwagen auf dem Gleis stehen geblieben. Geschockt oder schreiend quollen die Reisenden aus den Abteilen heraus. Man brachte sie zum Hennstedter Bahnhof, wo sie ihre ‚ramponierten’ Nerven in der Gaststätte und den Warteräumen erst einmal beruhigen konnten – teils auch mit Hilfe eines oder mehrerer Kööms. 
Wie sich später herausstellte, stammte der Unglücksochse ausgerechnet aus dem Vesterschen Stall!

Übermut tut selten gut
Auch einige Jungenstreiche blieben beim alltäglichen Schülerverkehr mit der Bahn nach Heide nicht aus. Weil die Schüler gerne ein Abteil für sich alleine haben wollte, wurden andere Mitreisende mit unfairen Mitteln, z.B. mit mitgebrachten Mäusen von dort vertrieben.
Auch die nur unter ihrem Spitznamen bekannte ‚Anna Fliege’, eine ältere, alleinstehende Frau, die ein armseliges Leben führte und auf dem Markt in Heide ihre gesammelten Kräuter verkauften wollte, ekelten die Schüler aus ‚ihrem’ Abteil, indem sie ein lautes Summen ertönen ließen. Anna Fliege verstand diese Anspielung auf ihren Spitznamen und beschwerte sich anschließend beim Schuldirektor der Oberschule, so dass letztendlich die Schüler das Nachsehen hatten.
Ein Zug der Kleinbahn setzte sich einmal auf dem Lindener Bahnhof nach dem Anpfiff in Bewegung und nahm volle Fahrt auf. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn der dafür zuständige Schaffner das Startsignal gegeben hätte. Der aber stand abgelenkt und ahnungslos auf dem Bahnsteig und merkte erst zu spät, was hinter seinem Rücken passierte. Schnellstens meldete er den Vorfall dem Hennstedter Bahnhofsvorsteher, der die Lokomotive nach Ankunft abkoppeln ließ und sie wieder zwecks Abholung des Schaffners nach Linden zurückschickte. Es ist nie herausgekommen, wer den vorzeitigen Startpfiff gab. Auch der Bahnmeisterwagen der Kleinbahn wurde öfter mal von den Jungs ‚ausgeliehen’, wenn sie wussten, dass der Bahnhofsvorsteher abwesend war. Mit dem Fahrplan kannten sie sich gut aus, sodass für sie nur die Gefahr des Entdecktwerdens bestand. Eine heute noch im Hause von Dr. Wrede vorliegende Quittung aus dem Jahr 1920 spricht dafür, dass die Belüftungsklappe eines Abteilfensters bei einem Reparaturversuch des Schülers Wrede zu Bruch ging.
Nicht anlasten kann man den Schülern folgenden dem ‚Hennstedter Landboten’ zu entnehmenden Vorfall: Nachdem am 13. Juli 1906 die Kleinbahn, besetzt u.a. mit einer Gruppe von Ausflüglern, auf der Station Schwienhusen gestartet war, stand sie sofort wieder mit einem lauten Rumsen und Kreischen. Zugführer und Schaffner waren ratlos und hatten lange gebraucht, die Ursache zu ergründen. Schließlich entdeckten sie, dass beim letzten Wagen die Bremsen angedreht waren. Wie kam es dazu? Eigenes Personal konnte es nicht gewesen. Da sich die Ausflügler kurz vorher aus dem Bahnsteig aufgehalten hatten, fiel der Verdacht auf sie. Nach ‚strengem’ Verhör durch den Zugführer gaben einige aus dieser Gruppe die Untat zu, und ihre Namen wurden zusammen mit dem Tathergang in ein ‚großes schweres Buch’ eingetragen.