Schule

Dithmarschen und Hennstedt- Schule im 18. und 19. Jahrhundert

Dithmarschen und Hennstedt
Wann in Dithmarschen die ersten Schulen entstanden sind, ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass der erste Unterricht von der Kirche ausging. Nachdem Dithmarschen seine Selbständigkeit 1559 verloren hatte, veranlassten die siegreichen Fürsten eine Auflistung der vorhandenen Schulen. Dabei stellte sich heraus, dass es in Hennstedt einen „Köster“ und einen „Scolmester“ als Lehrer gab. Von einem Schulbau in dieser Zeit ist nichts überliefert. Die Entlohnung der beiden Lehrkräfte wurde von der Kirche geleistet. Und auch die Lehrinhalte wurden von der Kirche bestimmt, die Schüler sollten die Lutherbibel, die nach der Reformation um 1533 in Hennstedt bekannt wurde, sowie den Lutherschen Kleinen Katechismus lesen lernen. Neben dem Lesen vermittelten die Lehrer Kenntnisse im Schreiben und Rechnen, außerdem wurde wohl auch bis zu einem gewissen Grade Latein unterrichtet.
Etwa 50 Jahre später gab es nur noch einen Lehrer, nämlich den Scolmester Jacobus. In späterer Zeit waren wieder zwei Lehrkräfte tätig, denn nun wurde in Hennstedt die „Neue Lateinische Schule“ eingerichtet. Der „Rector“ als Schulleiter unterrichtete insbesondere in Latein, andere Lehrfächer waren Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen. Der zweite Lehrer war der „Kantor“, der wohl besonders den Unterricht im Singen übernahm. Beide Lehrkräfte hatten die Pflicht, an Sonn-, Fest- und anderen Predigttagen die Schulknaben in guter Ordnung zur Kirche zu führen und darauf zu achten, dass diese sich ruhig während der Predigt verhielten. Überhaupt sollten sie sich in jeder Hinsicht „der Jugend zu einem untadeligen Vorbild darstellen“. Von Mädchen war zu dieser Zeit noch nicht die Rede.1 Für beide Lehrkräfte stand nun immerhin ein Klassenraum zur Verfügung, es gab Vormittags- und Nachmittagsunterricht.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts entstanden auch in den Dörfern `Schulen` - es sind sog. Bauernschaftsschulen - so auch z.B. in Horst. Sie wurden von den Bauern eingerichtet und unterhalten, und auch die Lehrer wurden von ihnen ausgesucht. Dabei war ein wichtiges Kriterium,dass diese möglichst wenig kosten durften. Die Lehrer waren Autodidakten, sie hatten also keinefachliche Qualifikation, und so wurden Personen „Lehrer“ in diesen Schulen, die sich ein Zubrot verdienen wollten, vom Unterrichten aber wenig Ahnung hatten. In erster Linie bewarben sie sich 
für dieses Amt, weil sie dann eine Behausung und einen Garten zur Bewirtschaftung hatten. In Horst allerdings gab es zunächst kein Schulgebäude und der Lehrer hatte keine Kochgelegenheit. Er aß abwechselnd auf den Höfen der Bauern, deren Kinder unterrichtet werden sollten. Das war die Einrichtung des sogenannten „Wandeltisches“. Die Kinder erhielten im Winter in der Gesindestube Unterricht, im Sommer fand meist keine Schule statt, da die Kinder in der Landwirtschaft helfen mussten. Dieser Zustand hielt viele Jahre an, bis 1743 ein Schulhaus in Horst gebaut wurde. Nun hörten das Herumziehen des Schulmeisters und der Unterricht in den Gesindestuben auf. Die Schule in Hennstedt, die mittlerweile die Bezeichnung „Deutsche und Lateinische Fleckenschule“ trägt, müsste aufgrund der hohen Schülerzahl dringend eine „Nebenschule“ bekommen – jedoch geschieht nichts dergleichen: Es bleibt bei zwei Lehrern und einem Schulraum.
1770 gibt es im Kirchspiel Hennstedt weitere Neben – oder Bauernschaftsschulen, so außer in Horst auch in Westermoor, Östermoor, Nordfeld, Rehm, Kleve, Wiemerstedt, Süderheistedt, Barkenholm, Linden und Fedderingen (das zwar nicht politisch zum Kirchspiel gehörte, aber der örtlichen Schulaufsicht durch die Hennstedter Pastoren unterstand).
Bis 1814 wird die Schule in Hennstedt von der Kirche unterhalten, dann treten neue Schulgesetze in Kraft, so wird z.B. die 9 jährige Schulpflicht eingeführt, und nun ist die Gemeinde für die Schule zuständig. „Damit tritt der Staat in seine Rechte ein. Er stellt einheitliche Rahmenbedingungen für alle Bereiche des Schulwesens auf. Er hat Lehrer-Seminare geschaffen und stellt daraus pädagogisch und didaktisch vorgebildete Lehrkräfte bereit. Er überlässt den Gemeinden die Regelung und Ordnung ihres Schulwesens nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten.“ 2  
Die Gemeinde wählt weiterhin die Lehrer aus und bestimmt ihre Einkünfte, die höhere Schulaufsicht obliegt staatlichen Schulvisitatoren. Die örtliche Schulaufsicht, auch die über die Bauernschaftsschulen, verbleibt aber bei den Ortsgeistlichen. Nun ist das Latein auch kein Pflichtfach mehr, sondern nur noch Wahlfach. Da sich dafür kaum interessierte Schüler finden, gibt es dieses Fach bald nicht mehr, und die Schule führt nur noch den Namen „Fleckenschule Hennstedt“.
ndlich gibt es 1818 einen zweiten Schulraum, der die Elementarklasse des Kantors aufnimmt und nahe der Kirche als Kantorschule bezeichnet wird. Die Rektorschule befindet sich in der heutigen Mittelstraße. 
1854 ist in Hennstedt die Schülerzahl auf 270 gestiegen, und nun wird eine dritte Klasse eingerichtet. Der zuständige Lehrer ist gleichzeitig der Organist. Einen neuen Klassenraum gibt es allerdings nicht, und so muss diese Klasse auf Jahre hinaus „wandern“. Erst ca. 20 Jahre später wird im Kantorat ein weiterer Klassenraum erstellt. 1867 wird Schleswig-Holstein eine preußische Provinz. Das hat zunächst keine Auswirkungen auf das Schulwesen.
1877 gibt es endlich einen dritten Klassenraum, und zwar in der Kantorschule. Einige Jahre später, 1881, wird dort noch ein vierter Klassenraum eingerichtet, da die Schülerzahl in der Elementarstufe auf 112 gestiegen ist. Nun nimmt eine Lehrerin den Dienst auf, bis 1890 folgen zwei weitere weibliche Lehrkräfte, bis 1890 wieder ein Lehrer verpflichtet wird. Das Diensteinkommen der 4 Hennstedter Lehrer setzt sich in diesen Jahren zusammen aus Geldbezügen, Dienstwohnung mit Garten, Dienstland, Naturalien, Feuerung und sonstigen Einnahmen.
1900 zur Jahrhundertwende gibt es an der Hennstedter Schule 5 Lehrerstellen bei 4 Klassenräumen. Da ein Klassenraum fehlt, gibt es für zwei Klassen vormittags bzw. nachmittags Unterricht. Auch sind nur 4 Dienstwohnungen vorhanden. Die Schülerzahl liegt beischätzungsweise bei 260 Kindern. 1902 gibt es in Hennstedt keine „Rektorschule“ und „Kantorschule“ mehr, denn nun wird in der Schulstraße das neue Schulgebäude eingeweiht. Darin erhalten 3 Klassen ihre Klassenräume, 1Klassenraum dient als Zeichensaal, und außerdem befinden sich dort 4 neue Dienstwohnungen. 
2 Klassen und eine Lehrkraft werden in einem gemeindeeigenen Gebäude gegenüber der Meierei untergebracht. Hier gibt es nun auch eine ländliche und gewerbliche Berufsschule, deren Unterricht allerdings nur nachmittags stattfinden kann.
 

Haus der Rektorschule links, daneben Post und Telegrafenamt, Kaisersaal

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Haus der Kantorschule       1818 – 1902

An der Kirche

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Schulbau von 1902 auf einer Postkarte von 1915

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